EU setzt Karibik-Staaten unter Druck: CBI-Programme bis Juni 2028 auslaufen lassen – oder Schengen-Zugang verlieren
Die Europäische Kommission hat die fünf ostkaribischen Staaten mit Programmen zur Staatsbürgerschaft durch Investition (Citizenship by Investment, CBI) offiziell aufgefordert, diese bis zum 1. Juni 2028 einzustellen. Andernfalls droht der Verlust des visafreien Zugangs zum Schengen-Raum. Das geht aus einer Erklärung des Büros des antiguanischen Premierministers hervor.
Worum es geht
Das entsprechende Schreiben, unterzeichnet von EU-Kommissar Magnus Brunner (Inneres und Migration) und datiert auf den 25. Juni 2026, ging an Premierminister Gaston Browne von Antigua und Barbuda. Grundlage ist der überarbeitete Visa-Suspendierungsmechanismus der EU, der am 30. Dezember 2025 in Kraft trat.
Nach dieser neuen Regelung gilt bereits der bloße Betrieb eines CBI-Programms – „unabhängig davon, wie gut es verwaltet wird" – als eigenständiger Grund, den visafreien Zugang auszusetzen. Es geht der Kommission also nicht mehr nur um mögliche Missbrauchsfälle, sondern um das Instrument als solches.
Die wichtigsten Punkte
- 24-monatige Übergangsfrist: Die EU räumt eine Frist bis Juni 2028 ein, statt den Zugang sofort zu streichen.
- Sofortmaßnahmen bis September 2026: Bis dahin sollen sanktionierte Personen vollständig ausgeschlossen und die Prüfverfahren (Due Diligence) für alle Nationalitäten verschärft werden.
- Alle fünf Staaten betroffen: Neben Antigua und Barbuda erhielten laut antiguanischer Regierung auch Dominica, Grenada, St. Kitts und Nevis sowie St. Lucia ähnliche Schreiben. St. Vincent und die Grenadinen, das einen CBI-Start für 2026 plant, wird nicht erwähnt.
- Nächster Bericht im Dezember 2026: Die Reaktionen der Staaten fließen in den nächsten Visa-Suspendierungsbericht der EU ein.
Antiguas Haltung
Premierminister Browne zeigte sich vom Schreiben nicht überrascht und kündigte an, das Programm fortzuführen. Seine Regierung werde sich nicht zu einem „einseitigen Ausstieg" drängen lassen, der der Volkswirtschaft „irreparablen Schaden" zufügen würde. Das CBI-Programm sei eine „zentrale Säule" der Staatseinnahmen und habe über die Jahre Krankenhäuser, Schulen, Infrastruktur und den Wiederaufbau nach Katastrophen finanziert.
Antigua fordert daher von Brüssel konkrete, verbindlich zugesagte Ersatzeinnahmen, bevor über einen Ausstieg gesprochen werden könne. Die bisher in Aussicht gestellten EU-Hilfen (etwa über die Global-Gateway-Agenda) seien weder beziffert noch bindend.
Einordnung aus der Branche
Nicht alle sehen einen Bruch. Branchenexperte Patrick Peters (Clientreferrals) argumentiert, dass sich faktisch wenig geändert habe: Die EU drohe seit Jahren mit diesem Schritt. Die zweijährige Frist sei vor allem ein Verhandlungsfenster – „hätten sie den Zugang streichen wollen, hätten sie es heute tun können." Die Zeit erlaube es der EU zudem, ihr elektronisches Reisegenehmigungssystem ETIAS zu erproben. Als Vorbild nennt Peters Kanada, das über sein ETA-System visafreies Reisen ermöglicht und dabei unerwünschte Einreisen herausfiltert.
Fazit
Aus einer offenen Drohung ist erstmals eine konkrete Frist geworden. Der nächste greifbare Prüfstein ist der September 2026, wenn die verschärften Prüfmaßnahmen umgesetzt sein sollen. Für Investoren bleibt die Lage beobachtenswert: Wer über eine karibische Staatsbürgerschaft nachdenkt, sollte den Wert des visafreien Schengen-Zugangs in den kommenden zwei Jahren nicht als selbstverständlich voraussetzen – und Alternativen im Blick behalten.

